(18.03.2011)
Rechtsschutzversicherungen. Teurer Luxus oder wichtige
Absicherung...
Wenn man sein Recht in Deutschland vor Gericht durchsetzen muss,
dann kann das richtig teuer werden. Sogar wenn man dort gewinnt.
Vor den horrenden Kosten für Anwälte oder Gutachter sollen
Rechtsschutzversicherungen bewahren. Wichtige Absicherung oder
doch teurer Luxus?
Teure Paketlösung...
Nach Ansicht von Versicherungsexperten ist der Rechtsschutz keine
der absolut lebenswichtigen Versicherungen. Zu denen gehört etwa
die Haftpflicht. Vor allem die so genannten „Rundum-Sorglos-Pakete",
die einem gern angeboten werden, sind eher etwas für Menschen mit
zu viel Geld. Drei- bis vierhundert Euro jährlich kosten diese
Komplettabsicherungen für verschiedene Lebensbereiche wie Arbeit,
Verkehr, Verträge oder auch Mietrecht. Meistens nimmt man aber
einen Teil der Leistungen nie in Anspruch. Und bei richtig teuren
Rechtsstreitigkeiten wie bei Ärger in der Familie oder beim
Hausbau wollen von den Versicherern in der Regel gar nicht zahlen.
Spezieller und besser...
Spezielle Absicherungen für genau einen Lebensbereich können sich
dagegen lohnen. Etwa ein Verkehrs-Rechtsschutz für Vielfahrer und
Pendler: Der kostet um die sechzig Euro im Jahr und erhöht etwa
die eigenen Chancen, einen falschen Bußgeldbescheid abzuwenden. So
findet man Hinweise auf Fehler beim Geschwindigkeitsmessen immer
nur in der jeweiligen Ermittlungsakte. Und die wird ausschließlich
an Rechtsanwälte herausgegeben. Deren Kosten übernimmt die
Rechtsschutzversicherung.
Teure Schuldsuche...
Zum anderen kann man ohne den Verkehrsrechtsschutz richtig viel
Geld loswerden, wenn man in einen Unfall gerät. Selbst wenn man
nicht oder nur teilweise schuld ist. So muss man häufig teure
Gutachten von Sachverständigen erst einmal vorfinanzieren, wenn
man die als Nachweis in einem Streit mit dem Unfallgegner braucht.
Und erst wenn man vor Gericht Recht bekommt, gibt es das
vorgestreckte Geld zurück. Vor dem Vertragsabschluss sollte man
sich aber unbedingt die Klauseln durchlesen: So sind bei Fahrten
im Ausland oft nur Urlaubsreisen abgedeckt, bei Parkknöllchen
hilft die Versicherung auch nicht.
„Sie sind raus!"...
Auch die jährlich 80 Euro für einen Berufsrechtsschutz sind oft
gut angelegt, sagen Experten. Dann können Sie sich mit Profihilfe
gegen eine drohende Kündigung wehren. Gerade wurde es
höchstrichterlich bestätigt: Man muss nicht mal auf eine
tatsächliche Kündigung oder Abmahnung warten, sondern kann sich
zeitig Anwaltshilfe holen. Die gibt es übrigens auch von der
jeweiligen Gewerkschaft. Wenn man dort Mitglied ist.
Schimmel, Baulärm, laute Nachbarn...
Ein spezieller Rechtsschutz für Mieter lohnt sich meist nicht:
Dann kann man zwar mit Anwalts Hilfe gegen Mieterhöhungen oder
Kündigungen vorgehen. Oder bei Schäden in der Wohnung Druck
machen. Solche Einzelpolicen sind oft viel zu teuer. Eine
Mitgliedschaft im örtlichen Mieterverein ist da häufig die bessere
Wahl, sagen die Experten.
Achtung Fallstricke...
Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, bekommt nicht automatisch
die Kosten für einen Prozess erstattet. Die Versicherung prüfen
bei jedem Streitfall zuerst die Chancen einer Klage vor Gericht.
Stehen die schlecht, weil beispielsweise die Gerichte in ähnlichen
Fällen immer gegen den Kläger entschieden haben, dann gibt's auch
kein Geld. Auch wichtig: Bei den meisten Versicherungen gilt eine
Wartezeit von drei Monaten. Die kann man also nicht erst
abschließen, wenn es schon Ärger mit dem Chef oder der
Bußgeldstelle gibt.
Zurück zur Übersicht