(24.10.2009)
Welche Versicherungen braucht man wirklich? Und welche nicht?
Eigentlich müsste
uns unser Versicherungs-Vertreter jeden Morgen Brötchen und
Kaffee ans Bett bringen! Aus reiner Dankbarkeit, denn wir
Deutschen zahlen Jahr für Jahr viel zu viel für Versicherungen!
Sagen Verbraucherschützer. Bis zu 400 Euro kann man im Jahr
sparen, wenn man überflüssige Versicherungen kündigt. Und die
wirklich wichtigen Absicherungen günstig abschließt. Welche man
als junger Mensch wirklich braucht – wir informieren Sie.
Unwichtig,
überflüssig...
Sparen kann man
sich etwa die Insassen-Unfallversicherung, sagen
Verbraucherschützer. Sollte beim Autofahren wirklich mal ein
Insasse verletzt werden, zahlt die KfZ -
Haftpflichtversicherung. Und die muss sowieso jeder Autofahrer
haben. Viele Deutsche haben auch einen Schutzbrief bei einem der
Automobilverbände und brauchen den gar nicht. Denn viele der
Leistungen aus dem Schutzbrief sind häufig schon in der ganz
normalen Autoversicherung drin. Hier sollte man also noch mal
nachlesen.
Wenn man Geld über
hat...
Auch die bei sehr
vielen Deutschen sehr beliebte Rechtsschutzversicherung ist aus
Sicht von Finanzexperten nicht so wichtig. Grund für diese
Einschätzung sind die üblichen Einschränkungen dieser Policen:
Eine Rechtsschutzversicherung zahlt längst nicht bei allen
Streitfällen. Sondern nur bei denen, wo die Chancen vor Gericht
gut stehen. Und bei Bau- oder Ehestreitigkeiten gibt’s generell
kein Geld. Zudem sollte man eine Rechtschutzversicherung nicht
zu oft in Anspruch nehmen. Schon zwei Schadensfälle im Jahr
können zur Sonderkündigung führen.
Ausnahme...
Einen speziellen
Rechtsschutz kann man sich aber durchaus zulegen, sagen
Experten: Den Verkehrsrechtsschutz. Der kann zum einen die
eigenen Chancen stark erhöhen, sich vor Gericht erfolgreich
gegen falsche Bußgeldbescheide zu wehren. So findet man Hinweise
auf mögliche Fehler beim Geschwindigkeitsmessen nur in der
jeweiligen Ermittlungsakte. Und die können nur Rechtsanwälte
einsehen. Zum anderen kann man ohne den Verkehrs-Rechtsschutz
richtig viel Geld loswerden, wenn man in einen Unfall gerät. Hat
der Unfallgegner eine Rechtsschutzversicherung und damit dann
einen cleveren Anwalt an der Hand, gerät man ganz schnell in
teure Schwierigkeiten. So kann man sich in der Regel nur mit
teurer Juristenhilfe gegen unberechtigte
Schadensersatzforderungen wehren.
Existenziell
wichtig...
Wirklich wichtig
ist eine private Haftpflichtversicherung. Sie sichert Schäden ab
die man anderen zufügt und das kann richtig schnell ins Geld
gehen. Etwa wenn man andere Personen so schädigt, dass die lange
ins Krankenhaus müssen oder sogar gar nicht mehr arbeiten
können. Das kann ganz schnell in die Hunderttausende gehen.
Bislang haben aber nur rund drei Viertel aller Deutschen eine
private Haftpflichtversicherung. Dabei gibt’s gute Policen schon
ab rund 40 Euro pro Jahr. Wichtig: Die Versicherungssumme, auch
Deckungssumme genannt, sollte ausreichend hoch sein. Mindestens
drei Millionen pauschal für Personen- und Sachschäden, lautet
die Empfehlung von Finanzexperten.
Für den
Ernstfall...
Ebenfalls in die
Rubrik „Unbedingt holen“ gehört nach Ansicht von Finanzexperten
die Absicherung für eine Berufsunfähigkeit. Jeder vierte
Deutsche wird im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig und
kann dann seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben. Hat man
vor allem in jungen Jahren keine großen finanziellen
Möglichkeiten, dann sollte man wenigstens mit geringen Beiträgen
einsteigen. Die richten sich ganz erheblich danach, wie hoch im
Ernstfall die Berufsunfähigkeits-Rente ist. Hier sollte man
nicht zu knapp kalkulieren, schließlich muss man im Ernstfall
von diesem Geld alle Ausgaben bestreiten. Zum Beispiel auch eine
private Altersvorsorge. 1.000 Euro pro Monat sollte man im Fall
der Fälle schon bekommen. Auf jeden Fall sollte man beim
Vertragsabschluss auf eine so genannte Nachversicherungsgarantie
achten. Das heißt: Verdient man später mehr, kann der Vertrag
angepasst werden. Ohne nochmalige Gesundheitsprüfung. Auch das
ist wichtig: Man sollte einen reinen, so genannten Risikovertrag
wählen und eine Berufsunfähigkeitsversicherung nie mit einer
Sparanlage verbinden. So etwas ist immer ganz mies verzinst.
Kann wichtig
sein...
Eine
Unfallversicherung ist keine der allerwichtigsten
Versicherungen. Sie ist aber vor allem dann sinnvoll, wenn man
viel Sport treibt. Eine Unfallversicherung springt ein, wenn
durch einen Unfall eine dauerhafte Invalidität eintritt. Die
Höhe der Zahlung richtet sich nach dem Grad der Invalidität. So
bedeutet beispielsweise der Verlust eines Auges eine Invalidität
von 50 Prozent, ein verlorener Zeigefinger bedeutet 10 Prozent
Invalidität. Auf jeden Fall gibt es dann keine Rente sondern
eine Einmalzahlung. Verzichten sollte man dabei auf Angebote wie
eine Todesfallleistung oder auch ein Krankenhaustagegeld. Die
machen so eine Police richtig teuer. Wichtig ist allein die
Invaliditätssumme. Die sollte wenigstens 100.000 bis 150.000
Euro betragen.
Hilfe benötigt?...
Viele haben keinen
Überblick, ob irgendwann mal abgeschlossene Versicherungen noch
nötig oder vielleicht auch viel zu teuer sind. Einmal im Jahr
sollte man deshalb Inventur machen und sämtliche Policen
durchgehen. Dabei kann man sich von Fachleuten in den
Verbraucherzentralen helfen lassen. Hier gibt’s zum Beispiel
praktische Aktenordner, in die man alle Verträge abheften kann
und wo schnell ersichtlich wird, welche Versicherungen man noch
braucht und von welchen man sich trennen kann.
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